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AGDF Aktuell

 

Mitgliederrundbrief

Nr. 276  Juni 2024

Logo Konferenz evangelischer Freiwilligendienste – KeF
 
Inhalt dieser Ausgabe
  • Vorwort
  • Nachrichten aus dem Dachverband
  • Ökumenische Friedensarbeit
  • Politische Aktionen
  • Tagungen und Kongresse
  • Politische Bildung und Qualifizierung
  • Kriegsdienstverweigerung
  • Service Informationen und Berichte
  • Stellenausschreibungen
  • Kontakt und Impressum
 
Vorwort

Moin, moin,
liebe Freundinnen und Freunde,

vor der parlamentarischen Sommerpause will die Bundesregierung den Haushaltsentwurf 2025 vorlegen. Die grobe Linie ist klar: Priorität für den sog. Verteidigungshaushalt, zu wenig Investitionen sowie Kürzungen in so wichtigen Titeln wie Entwicklungszusammenarbeit, Soziales und Arbeit, Auswärtiges und beim BMFSFJ. Wo konkret gekürzt werden soll, wird sich aber noch zeigen: Sind der Zivile Friedensdienst, der Kinder- und Jugendplan des Bundes, „Demokratie leben!“ und/oder die Freiwilligendienste (weltwärts, IFJD) betroffen? Wo muss die Lobbyarbeit besonders intensiviert werden?

Die Verbände der Freiwilligendienste wollen aus dieser permanenten Planungsunsicherheit und aus einer „Abbauspirale“ herauskommen und haben ein Positionspapier für einen Rechtsanspruch auf einen geförderten Freiwilligendienst(vertrag) veröffentlicht. Er ist ein Beitrag und ein Gegenvorschlag zum diskutierten sozialen Pflichtdienst. Ziel ist es, in wenigen Jahren die Zahl der Freiwilligen auf 200.000 zu verdoppeln, mehr jungen Menschen einen qualitativ hochwertigen Lerndienst im In- oder Ausland zu ermöglichen.

In Gesprächen mit Bundestagsabgeordneten trifft der Vorschlag auf ein positives Echo, das BMFSFJ plant ein eigenes Papier zu veröffentlichen – hoffentlich unter Berücksichtigung der internationalen Freiwilligendienste. Dennoch bedarf es noch großer Anstrengungen, damit das Projekt nicht nur den Weg in Parteiprogramme für die Bundestagswahl 2025 und dann in die Regierungsvereinbarung findet, sondern anschließend auch die notwendigen Finanzmittel bereitgestellt werden.

Chance und Risiko zugleich ist die parallele Diskussion über eine allgemeine Wehrpflicht. Abgesehen davon, dass die Wehrpflicht für Männer nur in Friedenszeiten ausgesetzt ist und Reservist*innen jederzeit eingezogen werden können, so gilt es auch hier, einen Pflichtdienst für Männer und Frauen zu verhindern. Die Bundeswehr soll mehr Soldat*innen rekrutieren – als Berufssoldat*innen und als neue Reservist*innen, die im Kriegsfall die Lücken füllen, – dafür sollen 18-Jährige einen Fragebogen ausfüllen und ggf. gemustert werden. Warum nicht diese Gelegenheit nutzen, um die jungen Menschen auch auf die Möglichkeit eines Freiwilligendienstes aufmerksam machen? Zugleich lehnen wir es ab, dass Deutschland „kriegstüchtig(er)“ wird. Insofern müssen wir verhindern, dass die Freiwilligendienst-Szene ungewollt zum „Handlanger“ der Verteidigungspolitik wird.

Viel Erfolg und Spaß bei und neben der Arbeit wünscht Ihnen und Euch auch im Namen der Geschäftsstelle.
Schalom

Jan Gildemeister

 
Nachrichten aus dem Dachverband
Vorstand

Der Vorstand traf sich wieder am 26./27. Juni in Hannover. Er befasste sich u.a. mit der geplanten engeren Kooperation mit der Ev. Freiwilligendiensten gGmbH bei Internationalen Freiwilligendiensten und dem geplanten Antrag auf Förderung einer bundesweiten Infrastrukturmaßnahme zu ZKB im Inland durch das Programm „Demokratie leben!“.

Mitgliederversammlung

Die AGDF Mitgliederversammlung tagt am 20./21. September in Berlin-Spandau, der Studientag geht zusammen mit der Ev. Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) zur Frage der militärischen Gewalt / Gewaltfreiheit. Hierzu ist im Vorfeld eine Umfrage bei den Mitgliedern beider Verbände geplant.

Am 10. September ab 17:00 Uhr findet der erste Teil der Mitgliederversammlung als Videokonferenz zu Jahresbericht 2023 und Finanzen statt.

Fachbereichsitzungen

Die Fachbereiche treffen sich planmäßig wieder im Vorfeld der Mitgliederversammlung am 18./19. September in Berlin-Spandau.

Geschäftsstelle

Die AGDF hat ihren Jahresbericht 2023 veröffentlicht. Er kann hier eingesehen werden.

Webseite und Newsletter

Der Relaunch der Webseite der AGDF ist abgeschlossen, die neugestaltete Webseite seit einigen Tagen online. Damit einhergeht auch die Neugestaltung des Newsletters, der heute zum ersten Mal in neuem Layout erscheint. Damit sind alle Webseiten in der Geschäftsstelle jetzt auf technisch aktuellen Stand und basieren auf einer gemeinsamen Grundlayout.

 
Ökumenische Friedensarbeit

Feindbild Pazifismus? - Theologische Perspektiven auf eine aktuelle Debatte. Ökumenisches Sommerseminar

5.- 7. Juli 2024 in Köln

Seit dem Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine ist der Pazifismus zu einer Art Feindbild in der öffentlichen Debatte geworden. Dies geschieht nicht zum ersten Mal: Immer wieder wird pazifistischen Gruppierungen Naivität, Geschichtsvergessenheit, Feigheit und mangelnder Verteidigungswille vorgeworfen. Im Frühjahr 2022 kam es sogar zu Unterstellungen, der Pazifismus habe diesen Krieg verursacht. In diesem Seminar gilt es einerseits zu fragen, wie es zu diesem öffentlichen Feindbild kommen kann, welchen Zielen es dient und wie man ihm begegnen sollte. Andererseits geht es auch um eine Vertiefung des eigenen Selbstverständnisses als Teil pazifistischer Bewegungen, speziell des religiösen und christlichen Pazifismus.

Das Sommerseminar der Melanchthon-Akademie Köln findet in Kooperation mit dem Ökumenischen Institut für Friedenstheologie und dem Katholischen Bildungswerk Köln statt.

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Projekt „Hoffnung für die Erde leben. Gerechtigkeit – Frieden – Schöpfung"

13.-15. September 2024 in Dresden

Das Projekt „Hoffnung für die Erde leben“ feiert dieses Jahr 40 Jahre konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung, zu dem 1983 der Ökumenische Rat der Kirchen in Vancouver, Kanada aufgerufen hatte. Die Tagung soll die deutschsprachige Ökumene dazu ermutigen, an den Themen Frieden, Gerechtigkeit und Schöpfung weiterzuarbeiten und neue Allianzen zu schmieden. Zudem finden bis dahin viele weitere Veranstaltungen deutschlandweit und online statt.

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Politische Aktionen

AGDF-Mitglied

Ohne Rüstung Leben e.V. hat die Aktion „Keine Rüstungsexporte an Diktaturen!“ gestartet und lädt zum Mitmachen ein.

Senden Sie eine Aktionspostkarte,die Sie bei Ohne Rüstung Leben anfordern können, an Wirtschaftsminister Robert Habeck und fordern Sie ihn auf, alle Rüstungsexporte an menschenrechtsverletzende Staaten und Diktaturen zu stoppen!

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AGDF-Mitgliedschaft

Camp für Klimagerechtigkeit und nukleare Abrüstung

3.- 4. Juli in Nörvenich

Du bist herzlich zum Klimacamp gegen Atomwaffen nahe der Airbase Nörvenich eingeladen, wo die Veranstalter, IPPNW, das Netzwerk Friedenskooperative und ICAN Deutschland, gemeinsam mit dir ihr Engagement für nukleare Abrüstung und für Klima verbinden möchten. Zusammen geht es darum, sich der Zerstörung unseres Planeten in den Weg zu stellen!

Das Programm befindet sich derzeit noch in Arbeit. Fest steht jedoch bereits, dass:

  • zahlreiche interessante Workshops angeboten (u.a. zu Atomwaffentests in Kasachstan),
  • Aktionen zum „Geburtstag“ des Atomwaffenverbotsvertrags am 7. Juli gestartet und
  • Musik und Filmveranstaltungen angeboten werden.

Zur besseren Planung des Camps melde dich hier an.

Ebenfalls würden sich die Veranstalter freuen, wenn du ihnen bei der Mobilisierung zum Camp hilfst! Dafür kannst du hier in dem Shop Mobiflyer anfordern.

 

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Andere

Flaggentag der Bürgermeister für den Frieden

8. Juli 2024

In bis zu 590 Städten werden am 8. Juli bundesweit Flaggen für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen gehisst. Falls es auch in deiner Stadt eine Aktion geben wird, du aber Unterstützung bei der Mobilisierung benötigst, hat das Netzwerk Friedenskooperative für dich ein Musterflugblatt erstellt, welches du und deine Friedensgruppe gerne weiterverwenden oder anpassen kannst.
Das Musterflugblatt kannst du hier herunterladen.

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Tagungen und Kongresse

AGDF-Mitglied

BSV: Wissenschaftliche Tagung zur Sozialen Verteidigung geplant

6. - 7. September 2024 in Bielefeld

Mit dem Plan dieser Tagung möchten der Bund für Soziale Verteidigung e.V. (BSV) Wissenschaftler*innen aus ganz Europa einladen, Papiere und Studien zur Weiterentwicklung der Sozialen Verteidigung vorzubereiten und in Bielefeld vorzutragen.

Der Forschungsstand zur Sozialen Verteidigung ist im Wesentlichen immer noch der der späten 1980er / frühen 1990er Jahre. Konkrete Fragestellungen aber, die sich seither ergeben haben – beispielsweise zur Organisierbarkeit von Sozialer Verteidigung, zu Herausforderungen neuer Technologien und Techniken der Überwachung und Repression, aber auch der Effektivität von Gewaltfreiheit —, sind nicht durch eine gezielte Forschung zu Sozialer Verteidigung hinterfragt worden. Das möchte diese Tagung ändern.

Der Call for Papers kann hier heruntergeladen werden. Der Vorbereitungskreis freut sich auf Angebote!

 

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AGDF-Mitglied

ICJA-Veranstaltungsreihe: Talking about Peace – Gespräche über Frieden

Online

Der ICJA Freiwilligenaustausch weltweit nimmt sein 75. Jubiläum zum Anlass, das eigene Friedensverständnis im Kontext neuer Reflektionen und aktueller Krisen zu hinterfragen und sich mit der Frage zu beschäftigen, welche Richtung das Friedensprojekt ICJA zukünftig nehmen soll. Heutige Friedensdefinitionen sehen die Felder „Frieden, Gerechtigkeit und Umwelt“ als gegenseitige Bedingungen. Es kann keinen Frieden ohne Gerechtigkeit geben, keine Gerechtigkeit ohne einen Wandel im Umgang mit der Umwelt, keinen Schutz des Planeten ohne Frieden, etc.

In der von der AGDF geförderten Veranstaltungsreihe sollen diese drei Felder und ihre Verknüpfung miteinander genauer betrachten werden. Geplant sind insgesamt sieben 90-minütige digitale Veranstaltungen mit verschiedenen Expert*innen in den Themenfeldern.

 

Wann

Thema

Vortragende*r

Juni

Gewaltfreiheit und Alternative Sicherheit – eine Basis für mehr Frieden?

Christine Schweitzer, BSV

Mittwoch, 26. Juni, 19 Uhr

Juli

Konflikte als Quelle gesellschaftlicher Transformation

Jochen Neumann, Kurve Wustrow

Donnerstag, 4. Juli, 19 Uhr

August

Philosophische Grundlagen der Mediation in einer konfliktreichen Welt (auf Englisch)

Jan Sunoo, ICJA-Alumni und Mediator

Samstag 31.8., 13 Uhr 

Sept.

Postwachstum / Degrowth: Wandel in der Wirtschaft für gerechteren, nachhaltigen Frieden? (Arbeitstitel)

Julian Wortmann, Konzeptwerk Neue Ökonomie, Details noch in Klärung

Okt.

Dekolonialisierung und dekoloniale Perspektiven auf Frieden (Arbeitstitel)

Tahir Della, ISD, angefragt

Nov.

Buen Vivir: Frieden und Gerechtigkeit über den Menschen hinaus gedacht (Arbeitstitel)

Miriam Betancourt/ Alberto Acosta, angefragt

Nov.

Friedensarbeit als Gestaltung sozial-ökologischer Transformation

Dani*el*a Pastoors, Dienstag, 26.11., 19 Uhr

Evtl Zusätzl.: Dez.

Frieden mit dem Planeten, heißt auch Frieden mit uns selbst: Spiritualität im Kontext von Frieden

 

 

Anmeldung und Fragen per E-Mail an Johanna Fuchs (Veranstaltungsorganisation): Veranstaltung@icja.de

 

 

Weitere Angebote

Einladung zum openTransfer CAMP #VielfaltStärken

4. - 5. Juli in Leipzig

Mentoring ist ein wichtiges Engagementfeld, das vielfältig in sich ist und aktiv die demokratische Gesellschaft stärkt. Vielfalt ist dabei gelebte Realität und gleichzeitig ein Prozess, bei dem wir alle stetig dazulernen und den wir gestalten wollen.

Das Team von openTransfer Patenschaften und der Initiative ‚Haltung zeigen – Vielfalt stärken‘ lädt Projektverantwortliche, Engagierte und Unterstützer*innen ein, wertvolle Erfahrungen auszutauschen und neue Impulse zu setzen. Gemeinsam geht es darum, Vielfalt zu stärken und Mentoring inklusiv, diversitätssensibel und diskriminierungskritisch zu gestalten. Das openTransfer CAMP #VielfaltStärken versteht sich als Plattform, um Ideen zu teilen, Kontakte zu knüpfen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

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Evangelischen Akademie Loccum: Wahrnehmungen und Positionierungen zum Nahost-Konflikt  - Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit in Südosteuropa und Deutschland

2. - 4. September 2024 in Loccum

Wie haben sich Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit in Südosteuropa im 19. und 20. Jahrhundert entwickelt? Wie gestaltet sich die Israel-Palästina-Debatte heute in diesen Ländern, und welche Relevanz haben diese Entwicklungen für die Debatten in Deutschland? Welchen Einfluss hat der Nahostkonflikt auf die Beziehung zwischen der deutschen Mehrheitsgesellschaft und postmigrantischen Gemeinschaften? Die Tagung setzt sich mit den komplexen Themen der Muslimfeindlichkeit und des Antisemitismus in Südosteuropa und Deutschland auseinander und fragt nach aktuellen Debatten, historischen Hintergründen und gesellschaftlichen Kontexten.

Sie sind herzlich eingeladen, sich an der Diskussion dieser Fragen zu beteiligen.

 

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12. Tagung: “We shall overcome! - Gewaltfrei aktiv für die Vision einer Welt ohne Gewalt und Unrecht. Biografische Zugänge”

19.Oktober 2024 in Gammertingen

Bei der 12. Tagung "We shall overcome!" von Lebenshaus Schwäbische Alb - Gemeinschaft für soziale Gerechtigkeit, Frieden und Ökologie werden u.a. Jürgen Grässlin und Leo Ensel über ihr langjähriges Engagement berichten. Gabriele Lang und Bernd Geisler werden wieder das Tagungsprogramm musikalisch bereichern. Zur Tagung sind Menschen eingeladen, die sich ermutigen lassen wollen in ihrem eigenen Engagement für eine gerechtere, friedvollere und zukunftsfähige Welt. Unter anderem wird nach den Vorträgen Gelegenheit zum Austausch sein.

 

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Einladung zur Friedenstagung: „Klima und Militär. Den Mächten & Gewalten widerstehen“

25.- 27. November 2024 in Thomashof-Karlsruhe

Wenn wir uns Sorgen machen um die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder, müssen die beiden Themen Klima und Militär unser Denken und Handeln bestimmen.

Die allergrößte Gefahr bleibt aber der Einsatz auch nur eines Bruchteils der heutigen atomaren Waffenarsenale. Dies könnte eine globale Klimakatastrophe auslösen und die gesamte Menschheit schwer treffen. Frieden braucht Klimaschutz und Klimaschutz braucht Frieden. Daher bleibt es dringlich, dass die Klimabewegung und die Friedensbewegung zusammenrücken. Dass der Zusammenschluss gelingen kann, zeigen diverse Beispiele, über die die Tagungsteilnehmer*innen auch zu sprechen kommen werden.

Eine Tagung von Church and Peace, Deutsches Mennonitisches Friedenskomitee, Internationaler Versöhnungs­bund (dt. Zweig), Mennonitisches Friedenszentrum Berlin und Religiöse Gesellschaft der Freunde (Quäker) dt. Jahresversammlung.

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Erklärungen und Stellungnahmen

AGDF: Offener Brief an Bundeskanzler Scholz: „Gemeinnützigkeit - Wir wollen kein Glück mehr haben, sondern rechtsstaatliche Sicherheit“

24. Juni 2024

Die AGDF setzt sich gemeinsam mit 53 weiteren Organisationen in einem offenen Brief an Bundeskanzler Scholz dafür ein, dass im geplanten Jahressteuergesetz II endlich das Gemeinnützigkeitsrecht modernisiert wird, um das außerparteiliche Engagement tausender Vereine in Deutschland für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abzusichern. Es ist wohl die letzte Chance vor der Bundestagswahl 2025.

Herrn
Bundeskanzler Olaf Scholz
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

24. Juni 2024

Gemeinnützigkeit:
Wir wollen kein Glück mehr haben, sondern rechtsstaatliche Sicherheit

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,

Ihre Regierung berät bald ein Jahressteuergesetz II. Wir erwarten, dass die uns versprochene Modernisierung des Gemeinnützigkeitsrechts damit endlich angepackt wird, um das außerparteiliche Engagement tausender Vereine in Deutschland für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abzusichern. Dieses Jahressteuergesetz II ist die letzte Chance, vor der nächsten Bundestagswahl die nötigen gesetzlichen Änderungen vorzunehmen. Und nicht nur das: Wir sehen es als die letzte Chance für Jahre, Änderungen wie die Einführung neuer gemeinnütziger Zwecke vorzunehmen. Kommende Regierungs-Koalitionen werden argumentieren, das Thema sei in der jetzigen Ampelkoalition bereits bearbeitet worden.
Wir haben uns über maßgeblich von Ihnen beeinflussten Gemeinnützigkeits-Vereinbarungen im Koalitionsvertrag sehr gefreut, aber warten angespannt auf die Umsetzung. Wir bitten Sie als Regierungschef, dafür zu sorgen, dass das Versprechen von der Koalition erfüllt wird. Ihre Regierung, Herr Bundeskanzler, hat jetzt die Möglichkeit, das Recht der Zivilgesellschaft sturmsicher zu machen. Nur eine tatsächliche Modernisierung jetzt kann verhindern, dass in den nächsten Monaten und Jahren weiterhin immer mehr Vereine sich aus demokratischen Debatten zurückziehen werden.
Viele von uns haben bisher Glück gehabt: Die meisten der 54 Vereine und Stiftungen, die Ihnen hier schreiben, sind weiterhin als gemeinnützig anerkannt. Sie fragen sich jährlich und mit jeder Steuererklärung, ob das so bleiben wird. Andere Unterzeichner*innen hatten Pech: Ihnen wurde die Gemeinnützigkeit bereits aberkannt.
Doch zu unserer aller Mission gehört es, selbstlos für Gemeinwohlinteressen an der politischen Willensbildung mitzuwirken. Wir bringen Vorschläge ein, die wir bezogen auf unsere Satzungszwecke für nötig halten. Wir beobachten politische und gesellschaftliche Prozesse und kommentieren diese in unterschiedlicher Form.
Was davon gilt als politisches Mittel? Wann überwiegen diese die anderen Aktivitäten, die nicht so gewertet werden? Oder ist es für unsere Gemeinnützigkeit schon kritisch, wenn die Beteiligung am demokratischen Diskurs nicht nur im Hintergrund stattfindet?

Ein anderer Ausgangspunkt der Unsicherheit: Deckt unser gesetzlicher gemeinnütziger Zweck tatsächlich unsere Arbeit, unsere Anliegen, unsere Mission ab? Bisher können die meisten unserer Organisationen mit ihren verschiedenen Zwecken unbehelligt ihrer Arbeit nachgehen, aber sicher fühlt sich keiner von uns. Nicht nur das Attac-Urteil mit der Beschränkung des Zwecks der politischen Bildung hat die Unsicherheit verstärkt. Weiterhin ist nicht klar, was tatsächlich der Zweck der allgemeinen (!) Förderung des demokratischen Staatswesens abdeckt. Der Verlust der Gemeinnützigkeit der Volksverpetzer guG, die den Zweck Völkerverständigung und Toleranz auf allen Gebieten der Kultur verfolgt, hat erneut aufgeschreckt.
Und schließlich wollen wir alle uns in demokratischer Verantwortung bei Gelegenheit immer wieder auch über den Kern unserer Mission hinaus engagieren. Gelegenheiten geben rassistische oder antisemitische Vorfälle, Wahlergebnisse oder andere gesellschaftliche Ereignisse. Auch hier können sich diejenigen unter uns, deren Gemeinnützigkeit bisher nicht in Frage gestellt wurde, nie sicher sein, ob eine Prüfung durch ein Finanzamt ergibt, dieser Teil unserer Arbeit sei zu groß gewesen.
Wir hören oft, das Problem mit der Gemeinnützigkeit sei doch gar nicht so groß, wenn es "nur" Attac, Campact, DemoZ, innn.it, Mastodon, Volksverpetzer und noch ein paar andere getroffen habe. Am Ende würden viele Probleme doch spätestens vor Gericht ausgeräumt.
Doch ein solch Jahre langer Rechtsstreit kostet viel angesichts unserer knappen Ressourcen. Wir wollen das Geld unserer Spender:innen sinnvoller ausgeben. Wir wollen einfach unsere gemeinnützigen Ziele verfolgen.

Attac, DemoZ und Volksverpetzer haben nicht das Glück gehabt, dass jemand im Finanzamt wohlwollend und freundlich prüft. Wir wollen, dass weder unser Gemeinnützigkeitsstatus noch der anderer Organisationen von Glück abhängt, sondern von klaren rechtsstaatlichen Kriterien.
Da wir ganz verschiedene Vereine, mit verschiedenen Satzungen, Satzungszwecken und tatsächlichen Tätigkeiten sind, mit verschiedenen Zielen und Anliegen und Themenfeldern, könnte jede weitere Aberkennung als Spezialfall abgetan werden. Für jeden von uns wäre die Aberkennung der Gemeinnützigkeit anders begründet. Ein Einzelfall wäre sie dennoch nie.
Wir wollen für unsere Arbeit jetzt Rechtssicherheit und Klarheit - denn auch das Bangen mit der Steuererklärung und Begründungen gegenüber dem Finanzamt sind bürokratische Belastungen. Auf beiden Seiten. Wir wollen nicht vom Wohlwollen einzelner Finanzbeamt:innen abhängen, sondern brauchen eine verlässliche Rechtsgrundlage, mit der Finanzämter auch Anzeigen gegen unsere Arbeit leicht entkräften können.
Wir setzen uns hiermit nicht nur für uns, sondern für die ganze Vereins- und Stiftungslandschaft in Deutschland ein. Wir hören immer wieder von kleinen, ehrenamtlich geführten Initiativen, die gar nicht die Kraft und Ausdauer haben, sich auf Glück bei GemeinnützigkeitsEntscheidungen zu verlassen. Die schon bei der Anerkennung der Gemeinnützigkeit scheitern. Wir hören auch von Freund:innen aus anderen Ländern, wie angespannt dort die Lage für zivilgesellschaftliche Organisationen ist, wie kontrollierend und einengend der Staat andernorts agiert. Und wenn wir denen erzählen, dass auch hier der Umgang mit der Gemeinnützigkeit unsicher ist und oft von Glück abhängt, bekommen sie Sorgen. Denn sie brau-hen ein Land, das beweist, dass große Freiräume für zivilgesellschaftliches Handeln die Demokratie und Rechtsstaatlichkeit stärken.

Bitte sorgen Sie für klare, gute Regeln und Verlässlichkeit! Tragen Sie dazu bei, dass wir und tausende anderer Vereine unserer Arbeit auf sicherer Basis nachgehen können und dass Deutschland ein Vorbild für einen liberalen Umgang mit zivilgesellschaftlichen Organisationen bleibt. Ein weiterer Abstieg im globalen Civicus-Monitor für Deutschland wäre ein fatales Zeichen.

Mit freundlichen Grüßen

• Adopt a Revolution • Aktion 3. Welt Saar
• Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden
(AGDF)
• Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt
• Allianz „Rechtssicherheit für politische
Willensbildung“
• Amadeu Antonio Stiftung
• Animal Rights Watch (ARIWA) • Askoha Deutschland
• Attac • Bewegungsstiftung
• Bund für soziale Verteidigung • Bundesarbeitsgemeinschaft für Flüchtlinge
PRO ASYL
• Bund für Umwelt und Naturschutz
Deutschland (BUND)
• Bundesverband Mobile Beratung
• Bundesverband der Freien Alternativschulen • ByeByeBiblis - Energiewende in der Region
• Civil Liberties Union for Europe • Coordination gegen Bayer-Gefahren
• Demokratisches Zentrum Ludwigsburg • Die AnStifter – InterCulturelle Initiativen e.V.
• European Center for Constitutional and
Human Rights (ECCHR)
• FIAN Deutschland
• filia.die Frauenstiftung • foodwatch
• Forum Menschenrechte • Good Move gGmbH a.k.a. Guerrilla
Foundation
• Green Legal Impact • Humanistische Union
• INKOTA-Netzwerk • Initiativkreis Energie Kraichgau
• innn.it • Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in
Deutschland
• KOK - Bundesweiter Koordinierungskreis
gegen Menschenhandel
• Komitee für Grundrechte und Demokratie
• Konzeptwerk Neue Ökonomie • Lesben- und Schwulenverband (LSVD)
• Kultur- und Initiativenhaus Greifswald • medico international
• Netwerk Grundeinkommen Deutschland • OMNIBUS für Direkte Demokratie
• OpenPetition • Oxfam Deutschland
• PowerShift - Verein für eine ökologisch-
solidarische Energie- & Weltwirtschaft
• Soziale Bildung e.V.
• Solidaritätsdienst International (SODI) • Stiftung Erneuerbare Freiheit
• Tadel verpflichtet! • Terre des Femmes
• terre des hommes Deutschland • Transpareny International Deutschland
• Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes –
Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten
(VVN-BdA)
• Weltwirtschaft, Ökologie & Entwicklung -
WEED
• Werkstatt für Gewaltfreie Aktion • Wikimedia Deutschland

 

Brief, Liste der unterzeichnenden Organisation und ein Policy-Papier mit Vorschlägen zur Umsetzung

 

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Service Informationen und Berichte

AGDF-Handreichung 2024 zur Ökumenischen FriedensDekade „Erzähl mir vom Frieden“ erschienen
Ökumenische FriedensDekade vom 10. bis 20. November 2024

Mit ihren mutmachenden Erzählungen über Friedensstifter*innen und erfolgreiche Friedensinitiativen begreifen die Autorin*innen der AGDF-Handreichung das Motto der diesjährigen Ökumenischen FriedensDekade „Erzähl mir vom Frieden“ als Auftrag dem mehr und mehr vorherrschende Gefühl vieler Menschen entgegenwirken, dass Frieden eine Illusion sei. Eine Kurzpredigt und liturgische Bausteine laden Kirchengemeinden ein, sich bei der Ausgestaltung von Friedensgottesdiensten von dem Motto der diesjährigen FriedendsDekade inspirieren zu lassen.

Die Handreichung kann hier als PDF-Datei heruntergeladen und unter agdf@friedensdienst.de als gedruckte Broschüre bestellt werden.

Materialheft für Bittgottesdienst für den Frieden 2024 „Erzähl mir vom Frieden“

Unter dem Motto „Erzähl mir vom Frieden“ findet vom 10. bis 20. November die diesjährige Ökumenische FriedensDekade statt. Im Rahmen dieser Tage sind die Kirchengemeinden eingeladen, einen Bittgottesdienst für den Frieden zu feiern. Dazu ist ein als pdf erhältliches Materialheft erschienen. Das neben einer Liturgie für einen Gottesdienst, ein Lied zur FriedensDekade, Andachten, eine Bildbetrachtung zum Plakatmotiv, eine Lesepredigt sowie dieses Jahr auch einen Entwurf für einen Gottesdienst mit Kindern und Familien enthält. Es wurde erarbeitet von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK).

Materialheft zum Download

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bpb-Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ 2024 gestartet

Auch in diesem Jahr werden im bundesweiten Wettbewerb „Aktiv für Demokratie und Toleranz“ der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) wieder erfolgreiche zivilgesellschaftliche Projekte für eine lebendige und demokratische Gesellschaft gesucht!

Den rund 50 Preistragenden winken Preisgelder von bis zu 10.000 Euro. Mit der Auszeichnung werden die Preistragenden Teil des Aktiv-Netzwerks und können somit von jährlichen Qualifizierungsangeboten und dem bundesweiten Erfahrungsaustausch mit anderen Preisträgerprojekten profitieren.

Bewerbungsschluss ist der 31.08.2024.

 

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Klara Butting und Gerard Minnaard (Hrsg.): Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft – Biblische Grundlinien

Die sogenannte Zeitenwende wird begleitet von einer zunehmenden Militarisierung von Sprache und Gesellschaft. Die Rede ist von kriegstüchtig werden. Warum heißt es nicht verteidigungsfähig? Die Rede ist von Wehrpflicht. Warum geht es nicht um einen Gemeinschaftsdienst, der auch in sozialen oder ökologischen Arbeitsbereichen geleistet werden kann? Das Buch, das im Verlag EREV-RAV Woltersburger Mühle e.V. erscheinen ist, zeichnet die Linien der biblischen Überlieferung nach, die Christ*innen Orientierung geben und helfen, einer solchen Entwicklung zu widersprechen.

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Aktuelle Stellenausschreibungen

Referent*in (m/w/*) Qualitätsentwicklung in entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten 28h/Woche

Der Verein entwicklungspolitischer Austauschorganisationen e.V. (ventao) sucht zum 1. August 2024 (spätestens aber zum 1. September 2024) für die Geschäftsstelle in Berlin eine*n Referent*in für Qualitätsentwicklung in entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten.

 

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Impressum

AGDF -aktuell ist ein interner Newsletter und stellt für unsere Mitglieder relevante Informationen zusammen. Diese geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Quelle ist, wenn nicht anders angegeben, die angege-bene Internetseite. Aktionen, Veranstaltungen und Aufrufe der AGDF sind als solche gekennzeichnet. Neue Abonnent*innen können sich auf der Homepage ein­tragen. In jedem Newsletter gibt es einen Link zum Abmelden.

Redaktionsschluss der nächsten Ausgabe: 25.07.2024
Nachdruck und Verteilen erlaubt; Hinweise erbeten.

Herausgeber:

AGDF e.V., Endenicher Str. 41, 53115 Bonn Tel. 0228-24999-0, Fax 24999-20
agdf@friedensdienst.de
Internet: www.friedensdienst.de
Redaktion: Jan Gildemeister

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