Moin, moin, liebe Freundinnen und Freunde,
die Friedensarbeit lebt von ihrer Glaubwürdigkeit und dies hat vor allem mit Gerechtigkeit und Recht zu tun. Was dies konkret bedeutet, wurde mir (wiedermal) beim AGDF-Fachgespräch zu Generationen und Friedensarbeit und bei der Kooperationsveranstaltung „Dialog Friedensbewegung(en)“ in Hofgeismar deutlich: Die Verletzung von Völkerrecht und Menschenrechten muss von Friedensinitiativen als Verbrechen benannt werden, egal von welchem Staat sie ausgeht. Opfer kriegerischer Gewalt verdienen unser Mitgefühl, egal auf welcher Seite sie sind. Dies sollte nicht nur in eigenen Erklärungen deutlich benannt werden, sondern auch in Aufrufen von Aktionsbündnissen, zum Beispiel zum Ostermarsch. Da dies mancherorts leider nicht der Fall ist, ist es nicht verwunderlich, wenn die AGDF oder eine Mitgliedsorganisation nicht zu den Unterstützenden gehört – so wichtig auch eine Mobilisierung gegen Krieg und Militarisierung ist.
Aber auch der Umgang von Friedensinitiativen mit Menschen, die aus welchem Grund auch immer Diskriminierung und Benachteiligung ausgesetzt sind, ist ein Lackmustest für ihre Glaubwürdigkeit. Wird dies in öffentlichen Erklärungen und bei Bündnissen berücksichtigt? Gibt es Regeln und eine Kultur der internen Zusammenarbeit, die Diskriminierung vermeidet und Benachteiligte empowert? Wie partizipativ ist die Friedensinitiative aufgestellt?
Aus meiner Sicht sind viele AGDF-Mitgliedsorganisationen bereits gut aufgestellt und/oder in wichtigen Veränderungsprozessen. Insgesamt ist in der Friedensszene aber noch viel Luft nach oben. Dies trägt dazu bei, dass es um ihre Attraktivität und Relevanz nicht gut bestellt ist.
Ansporn in Sachen Glaubwürdigkeit könnten auch die anstehenden Feiertage sein: Jesus war nicht ohne (menschliche) Fehler, aber in einem sehr hohen Maße glaubwürdig, bis in seinen Tod hinein. Er ist in sehr herausfordernden politischen Verhältnissen dem Weg der Gewaltfreiheit und des Widerstands gegen Ungerechtigkeit treu geblieben. Und seine Ermordung ist nicht das Ende der biblischen Erzählung, sondern seine Auferstehung. Gott ist auf der Seite derjenigen, die ihm nachfolgen – wenn dies nicht eine Ermutigung ist!
Viel Erfolg und Spaß bei und neben der Arbeit wünscht Ihnen und Euch auch im Namen der Geschäftsstelle. Schalom
Jan Gildemeister |