Moin, moin, liebe Freundinnen und Freunde,
vor 80 Jahren endete nicht nur der von Deutschland verursachte 2. Weltkrieg, es wurden auch Nuklearwaffen erstmals getestet und dann von den USA in Hiroshima und Nagasaki eingesetzt. Die schrecklichen Folgen dieser aus heutiger Sicht „kleinen Atombomben“ wirken bin heute nach und es gibt weitgehenden Konsens, dass diese Massenvernichtungswaffen wie biologische und chemische Waffen zu ächten sind.
Im Kontrast dazu erleben wir heute eine Modernisierung von Nuklearwaffen, eine Aufrüstung beispielsweise in China und ein Streben von weiteren Staaten nach einem Besitz von Nuklearwaffen, da diese vor Interventionen zu schützen scheinen. Russland drohte unverhohlen im Krieg gegen die Ukraine mit dem Einsatz, die NATO verzichtet bis heute nicht auf einen sog. Erstschlag. Wenn zwischen Pakistan oder Indien ein offener Konflikt ausbricht, geschieht dies zwischen zwei Staaten, die Nuklearwaffen besitzen. Welches Vertrauen können wir in Russland, Israel oder auch die USA mittelfristig haben, dass sie ihre Waffen nicht auch einsetzen oder dass aufgrund kurzer Vorwarnzeiten eine Fehlentscheidung getroffen wird?
Gleichzeitig nehme ich in Deutschland eine zunehmende Akzeptanz der nuklearen Abschreckung wahr: eigentlich sind die Waffen ja verdammenswert, aber angesichts der Gefahr aus Russland … Und der kirchliche Aktionstag gegen Atomwaffen am Militärstützpunkt Büchel, wo die Stationierung neuer US-Nuklearwaffen und neuer deutscher Bomber vorbereitet wird, kann 2026 mangels Aktiver in bisheriger Form nicht fortgeführt werden.
Ich vermisse den gesellschaftlichen Druck auf die politisch Verantwortlichen, ernsthafte diplomatische Initiativen für neue internationale Verträge zur Reduzierung von Nuklearwaffen, für einen Verzicht auf die Erstschlagoption, für atomwaffenfreie Regionen, für ein Europa ohne landgestützte Mittelstreckenwaffen zu starten. Und dass Deutschland an den Konferenzen der Atomwaffenverbotsvertrag-Staaten teilnimmt und eine aktive „vermittelnde“ Rolle übernimmt.
Viel Erfolg und Spaß bei und neben der Arbeit wünscht Ihnen und Euch auch im Namen der Geschäftsstelle. Schalom
Jan Gildemeister |